Man kann aus der Länge auch eine Tugend machen: Bei seiner Neuinszenierng meistert Ronny Jakubaschk die bewusste Überlänge, indem er sie zum Bestandteil eines in mechanischen Ritualen erstarrten Kosmos macht. Er konzentriert sich auf eine alle Längern überwölbenden Spannungsbogen und erhält dafür die ungeteilte Anerkennung des Premierenpublikums.

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Erstens bewiesen die Sänger weit mehr Stehvermögen, als es selbst an größeren Häusern häufig der Fall ist: Den hauseigenen Stolzing, Alexander Spemann, schien es nicht zu stören, die Strophen seines Wettbewerbsliedes ein ums andere Mal zu singen, und als er beim sechsten Mal doch etwas mehr Druck auf die Stimme geben musste, war man geradezu erleichtert. Dem Hans Sachs des Amerikaners Derrick Ballard waren die Strapazen der vorangegangenen Strecke nicht anzumerken. Der Wahn, die Meisterverteidigung und der unsägliche Schluss gestalteten sich nicht nur angstfrei für das Publikum und hoffentlich auch ihn, sondern von unalltäglichem, teils anrührendem Wohlklang.

Zweitens kippte der Regisseur des zutiefst munteren Abends, Ronny Jakubaschk, so viel rosarotes Licht und fliederfarbene Papierschnipsel auf den berüchtigten Schluss, dass dieser einfach daherkam, als könne er kein Wässerchen trüben: eine Möglichkeit, ein Inszenierungstrend, nämlich wieder entspannter nach dem Erzählgehalt von Wagner-Opern zu schauen und weniger auf die Politik.

Das Orchester unter Hermann Bäumer spielt einen unbefangenen, unbelasteten, gutgelaunten Wagner. Auch hier, wie für die Regie (eine Seltenheit bei einer Wagner-Produktion) ausschließlich froher Beifall. Der größte aber für die Sänger.

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Walther von Stolzing - ein bunter Hund inmitten der lodengrün, grau und schwarz mit Cuts ausstaffierten Spitzel-Gesellschaft, in der sogar die Hüte Brillen tragen. Hier herrscht Zucht und Ordnung, in der eine Burschen-Garde, Mützen zu grünen Latzhosen, immer wieder mit Wischmopps die doppelten Böden kehrt. Liebe kann hier eigentlich kaum keimen und treibt doch selbst bei dem miesepetrigen Beckmesser köstliche Blüten. Der wunderbare Heikki Kilpeläinen singt fast zu schön, um ein Beckmesser zu sein, legt mit seiner Drehleier ein herrlich linkisches, nächtliches Ständchen an Evas Fenster hin. Eva wiederum ist hin- und hergerissen zwischen ihrer alten Kinderliebe zum Vater-Ersatz Hans Sachs und der neuen Frauenliebe zum ritterlichen Walther. Anfangs noch mit grüner Perücke, bekommt sie zunächst nur rote Strähnchen, bis sie am Ende mit feuerrot entflammtem Haar dasteht. Und auch das kurze Kinderkleid ist, nun lang und rot gestreift, erwachsen geworden. Bravi.

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Die Rituale sind so leer wie die Notenzeilen. Hier muss mal einer kommen, der die mit Stehkragen und Zylinder in dumpfer Restaurationszeit angesiedelte Meister-Herrenrunde aufmischt. Stolzing, für den Mainz seinen Ensemble-Joker Alexander Spemann zieht, leistet da mit beachtlicher tenoraler Statur ganze Arbeit: Bald weicht zumindest ein Teil der strammen Notenlinien einem kreativen Mikado-Chaos, dessen wilde Linienführung an grafische Avantgarde-Notation denken lässt. Hübsch. Dazu hat Eva ein entzückend schräges Miniröckchen (Kostüme: Matthias Koch) an und signalisiert im grellen Farbwechsel der Frisur von Neongrün zu Metallic-Himbeer-Bonbonrot, dass sie zum roten Ritter gehören wird.

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Das Ensemble bereitet an diesem durchaus unterhaltsamen Abend ohnehin die allergrößte Freude. Herausragend neben Linda Sommerhages glühender Magdalene, dem Pogner des Hans-Otto Weiß, dem von Heikki Kilpeläinen mit baritonaler Noblesse ausgestatteten Beckmesser und dem klar konturierten David von Michael Pegher: Derrick Ballard als Sachs. Er gibt den Schuster mit phänomenaler Stimm- und Sprachkultur, der man auch noch nach fünfeinhalb Opern-Stunden fasziniert lauscht. Vom Publikum, das die Premiere herzlich feiert, bekommt er frenetischen Applaus.

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Jakubaschk versteht, lebendig, abwechslungsreich und mit solider Personenführung nachzuerzählen. (...) Uneingeschränkten Jubel.

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Ronny Jakubaschk inszeniert das Geplänkel um Hans Sachs und des Goldschmieds Tochter mit lockerer Hand. Ein heiteres Spiel mit Tiefen. (...) Man ist zufrieden in Mainz, ja mehr noch, man ist begeistert. 

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Wer als Theatermachen nicht gegen das Gebot „Du sollst nicht langweilen" vertoßen will, hat also eine Menge zu tun - das ist Regisseur Ronny Jakubaschk gelungen. Die Geschichte wird aufmerksam, ja liebevoll auserzählt. Das Handeln der Figuren hält den Zuschauer gefesselt.

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Ronny Jakubaschk betont das Komödiantische. Die Prügelei im 2. Akt: eine gigantische Kissenschlacht. Nach fünfeinhalb Stunden könnte man erwarten, dass das Publikum nach Hause will. Aber der Beifall will nicht enden.

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Die Meistersinger treten im biedermeierlichen Kostüm auf, die Lehrbuben erinnern an nordkoreanische Schulkinder. Stolzing hat rote Haare, Eva erst grün-rote, dann rote und die Meister haben graues Haar. Fünf grüne Röhren an den Seitenwänden pumpen irgendetwas in die Rückwand, an der eine aus fünf Rädchen bestehende Maschine arbeitet, die immer dann ins Stocken gerät, wenn Außergewöhnliches passiert.

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Die jüngste Premiere auf dem Spielplan des Staatstheaters Mainz wurde nach fünfeinhalbstündiger Dauer vom geduldig ausharrenden Publikum mit langem, starkem Applaus und vielen Bravos gefeiert, die voran den vorzüglichen Solisten galten.

Wagners Aufforderung „Kinder, bringt Neues!", dürfte wohl auch dem Regisseur in den Ohren geklungen haben. Er zeigte deutlich, wohin der Weg führen muss, um mit der Zeit Schritt zu halten und Verkrustetes zu überwinden, um auch die jüngere Generation zu interessieren und wieder in die Oper zu locken.
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Ein Kabinettstückchen fein gearbeiteter Personenregie.

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Die Chorszenen sind schon allein optisch hervorragend gelungen. Sei es gleich zu Beginn, wenn alle wohl geordnet in Reih und Glied stehen, oder am Ende, wenn sich feste Strukturen lösen und der Aufbruch ins Neue gefeiert wird. Das Finale gerät zum visuellen und akustischen Feuerwerk.

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