Was für eine verrückte Aktion! Mit vorgehaltener Waffe zwingt ein aufgedrehtes, vor Selbstbewusstsein strotzendes Paar vor 80 Jahren einen Ladenbesitzer in der US-Provinz, einen Brief an Henry Ford aufzusetzen. „Was für tolle Autos Sie bauen!“, diktiert der Unterzeichner: Clyde Champion Barrow. Wenig später, im Mai 1934, werden er und seine Partnerin Bonnie Parker in ihrem Flucht-Ford von Polizeikugeln durchsiebt.Ob der historisch verbürgte Brief wirklich von dem legendären Gangsterpaar stammt, ist umstritten – das Jugendstück „Rewind: The Story of Bonnie and Clyde“ im Haus III des Staatstheaters legt es nahe. Mit einer Mischung aus Spielszenen, Reflexionen und der Präsentation historischer Fakten und Bilder will das „Recherchestück“ von Regisseur Ronny Jakubaschk und Dramaturg Christoph Macha hinter den Mythos blicken. Große Fragen sind es, die die vier Darsteller bei der Premiere aufwerfen: Warum werden Menschen kriminell? Warum rauben und morden sie?

Kess präsentieren Anja Signitzer und Ravi Marcel Büttke die Mode der 1920er Jahre – Bonnie und Clyde sollen stets top gekleidet gewesen sein –, erzählen über die Kindheit und Jugend ihrer alter egos und Charaktereigenschaften, die ihnen zugeschrieben wurden. Es prickelt, als sie spielen, wie sich die lebenslustige Kellnerin Bonnie und der charmante Kleinganove Clyde 1930 auf einer Party kennenlernen.

Im April 1930 landet Clyde in der Gefängnisfarm Eastham, die als Hölle auf Erden beschrieben wird. Nach seiner Entlassung beginnen er und Bonnie ihre spektakuläre Raubtour durch die USA. 14 Menschen müssen sterben. Einige werden mit Bild und Kurzbiografie vorgestellt – ein guter Kniff: Anonyme Opfer werden zu Menschen und der mörderische Ernst der Bonnie-und-Clyde-Story anschaulich. 

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Dass der Abend positiv im Gedächtnis haften bleibt, liegt an der insgesamt eher kurzweiligen, vor allem lehrreichen und zudem gefühlvollen Inszenierung. Die gemeinsame Suche nach Antworten auf Fragen – warum werden Menschen kriminell, was veranlasst Menschen zu rauben, zu stehlen oder gar andere Menschen zu töten – nimmt die kleinen und nicht ganz so kleinen Leute im Haus Drei mit. Recht detailliert, aber anschaulich geht es nach schlaglichtartigem Zurückspulen durch das Leben des bekannten Gangsterpaares. Da wird der zickzackige Beutezug im Mittleren Westen der USA mittels schwarzgelbem Signalklebeband auf dem Bühnenboden nachvollzogen, wird durch akzentuiertes Spiel von Signitzer und Büttke die schrittweise Verrohung der Sitten bei Bonnie und Clyde in rasch aufeinanderfolgenden Überfallsituationen verdeutlicht, und da wird auf komödiantische Art und Weise eine menschliche Verortung des Paares vorgenommen, via Abgleich mit fiktiven Pärchen wie Bella und Edward aus „Twilight“.

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